Belegschaft lässt sich nicht lumpen

Aus der Sicht des Opel-Betriebsrates gefährden die Alleingänge des Opel-Chefs Nick Reilly die Verhandlungen zur Sanierung des Autoherstellers. Ihm wird vorgeworfen, dass er ohne Rücksprache mit den Belegschaftsvertretern Produktionszusagen an den englischen Standort Ellesmere Port zu geben. Dies natürlich auf Kosten der anderen Werke. Reilly hatte weitreichende Zusagen Zusagen gemacht um die britischen Staatshilfen zu bekommen. Dieses sehen die deutschen Mitarbeiter mit Argwohn, da sie nicht für die Briten bluten wollen.

Klaus Franz, der Gesamtbetriebsratschef, erklärte am Mittwoch in einer öffentlichen Mitteilung des Betriebsrates, dass Reillys gesamten Aussagen nur dem Zweck dienen, dass die 300 Millionen Euro Staatshilfe aus England in die Kasse fließen. Hierbei bedenke er nicht, dass die Finanzierung durch staatliche Fördermittel Englands von Beiträgen aus anderen Standorten abhänge.

Keine Entscheidung vor Landtagswahl

Am Mittwoch befasste sich unterdessen der Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern erneut mit dem von Opel gestellten Antrag auf Staatshilfen. Bereits im Voraus hatte Peter Brüderle, Wirtschaftsminister, verkündet, dass der Ausschuss keine Beschlüsse fassen werde. Vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen wird es wohl auch keine Entscheidung geben war aus Verhandlungskreisen zu hören. Um Opel zu retten hofft Gerneral Motors auf eine staatliche Hilfe in Höhe von 1,8 Milliarden Euro und will selber 1,9 Milliarden Euro investieren. Diese sollen zum Teil durch Kredite aufgebracht werden.

Bereits häufiger eigenmächtige Entscheidungen

Die Chancen, dass der Elektrowagen Ampera mit 50 000 Einheiten, in Ellesmere Port gebaut wird, stehen nicht schlecht, sagte Reilly gegenüber der britischen Zeitung „The Times“. Franz erklärte, dass der selbe Ampera auch schon dem Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers für Bochum versprochen wurde. Laut Arbeitnehmer ist dies auch nicht der erste Vorfall bei dem der Opel-Chef über die Köpfe aller hinweg entscheidet. In einer Nacht- und Nebelaktion hatte er bereits die Fertigung des Astra Sports Tourer, der für Rüsselsheim zugesagt war, nach Ellesmere Port vergeben. Diese Entscheidung traf er, ohne dabei die Arbeitnehmervertretung mit einzubeziehen.

Reilly, der gebürtig aus Wales stammt, entscheidet aus der Sicht der Betriebsräte nicht europäisch, sondern im Sinne von Großbritannien. Scheinbar macht er sich keine Gedanken darum, wie sein Handeln und seine Entscheidungen auf die Europäische Union und auf die deutsche Regierung wirken könnte. Denn auf der einen Seite vermittelt er die Aufträge nach England, auf der anderen Seite sollen aber in Belgien und Deutschland überproportional viele Menschen entlassen werden. Das Unternehmen, Gerneral Motors sowie Vauxhall sind auf die Unterstützung des Staates und ihrer Belegschaft angewiesen. Franz sagte, dass solche Alleingänge die weiteren Verhandlungen darüber gefährden, besonders auch, weil diese zur Zeit in einer sehr schwierigen Situation stecken.

Ohne Beiträge keine Rettung

Der Autobauer Opel erwartet von seiner Belegschaft jährlich 265 Millionen Euro in den Jahren zwischen 2010 und 2014. Mit 176 Millionen Euro trägt Deutschland den Löwenanteil. Im Gegenzug haben die Betriebsräte einige Forderungen gestellt. So verlangen sie eine Umwandlung der Opel GmbH in die Opel Aktiengesellschaft und auch Investitionslösungen für den vor der Schließung stehenden Standort Antwerpen.

Doch bis jetzt hat Reilly sich noch geweigert konkrete Zusagen und Garantien zu geben. Franz sagte, dass man sich bei der Erfahrung mit GM bei der Vertagstreue dürfe sich das Unternehmen nicht auf solche schwammigen Zusagen verlassen. Wenn die deutsche Belegschaft keine Sicherheiten und überzeugende Zukunftsperspektiven bekommen, dann werden sie die Beiträge verweigern. Experten sind sich sicher, dass das Unternehmen ohne diese Beiträge nicht gerettet werden kann.

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